die Wertschätzung des Unproduktiven

Sonntag, 4. Oktober 2015


Mein Beruf erfordert von mir analytisches und konzeptionelles Arbeiten. Ich benutze also, von meinen Fingern beim Tippen am PC mal abgesehen, hauptsächlich mein Köpfchen um Ergebnisse zu erzielen. Viel Raum für Kreativität bleibt mir nicht, weil ich oft an Gesetze, Verordnungen und andere Vorschriften gebunden bin. In den Stunden, die ich wöchentlich in meinem kleinen, aber feinen Büro verbringe, produziere ich keinen sichtbaren
Output. Man könnte also überspitzt sagen: meine Arbeit ist unproduktiv. Das hört sich jetzt womöglich ziemlich spröde und unaufregend an, trotzdem habe ich Freude an meinem Beruf, weil er mich mental fordert.


Als Ausgleich zu meinem geistigen Handwerk dient mir die Näherei. Dabei kann ich entspannen, meiner Liebe zu Farben und Mustern nachgehen, mich ausprobieren, kreativ sein, etwas mit meinen Händen schaffen. Die perfekte Kompensation dessen, woran es mir in meinem Bürojob mangelt.


Kinder benutzen bis zu einem bestimmten Alter lieber ihre Hände als ihren Geist (zumindest der überwiegende Teil). Der Unterschied liegt allerdings darin, dass sie es nicht tun um etwas zu produzieren, sie machen es einfach weil es ihnen Spaß bereitet. Das muss toll sein. Davon möchte ich mir eine Scheibe abschneiden. Etwas tun, ohne ein Ergebnis herbeiführen zu wollen, geht das überhaupt?




Der Jersey "hard work" sowie die Bündchenware in mint wurde mir von *Lillestoff zur Verfügung gestellt um ein Designbeispiel daraus zu nähen. Das Schnittmuster für das Shirt mit raffinierter Teilung des Vorderteils im Hals-Schulterbereich ist aus der Ottobre 4/2015 (Tiger Spotting).
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Kommentare:

  1. Hallo
    oh, das ist wirklich eine tolle Kombination! Super gelungen!
    Viele Grüße, Susanne (http://fuersoehneundkerle.blogspot.de/p/eure-werke.html)
    P.S. ich nähe auch als Ausgleich zum Büroalltag ... etwas Kreatives braucht der Mensch & ein schöneres "Hobby" kann ich mir kaum vorstellen.

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  2. heute so philosophisch!? aber du triffst den Nagel auf den Kopf: wenn man Kopf und Geist benutzen darf, ist man als langer Mensch glücklich. Und wenn wir dann nicht zu enttäuscht sind, wenn's nicht ganz perfekt wird, dann haben wir den Zen erreicht, der uns noch dazu zufrieden macht. Lernt von den Kindern!

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  3. Sehr schöne Kombi, den Stoff habe ich auch gleich geordert:-) vlg Bianca

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